Netzwerken als Introvertierter
- Shawn Kramer

- 26. April 2024
- 2 Minuten Lesezeit

Mauerblümchen, schüchtern, still, zurückhaltend – so werden Introvertierte wie ich oft beschrieben. Introvertierte sind nicht unbedingt schüchtern, wir suchen nur gezielt den Kontakt zu anderen. Smalltalk, Meetings im Minutentakt und Menschenmengen können uns schneller auslaugen als körperliche Betätigung. Beim Netzwerken haben wir oft das Gefühl, gegen unsere eigene Natur anzukämpfen.
Für mich bedeutet das, mich auf einer Party wortlos zurückzuziehen und meinen Freundeskreis klein zu halten. Obwohl ich meine private Blase besser kontrollieren kann, ist es für meine berufliche Entwicklung wichtig, mein Netzwerk stetig auszubauen.
Ich habe gelernt, meine Energie so oft wie möglich sparsam einzusetzen. Ich bin nicht so gesellig wie meine extrovertierten Kollegen und Freunde, aber das ist für mich in Ordnung. Anstatt mich in eine Rolle zu zwängen, die mir nicht liegt, konzentriere ich mich auf durchdachte und strategische Interaktionen.
Ich würde eher eine Afterparty verschlafen, als daran teilzunehmen. Deshalb gehe ich zu großen Konferenzen oder Meetings immer mit dem Ziel, zumindest mit einigen Teilnehmern ins Gespräch zu kommen. Egal, ob es Bekannte oder völlig Fremde sind – mit dieser klaren Einstellung verlasse ich meine Komfortzone und gehe mit gestärkten Beziehungen nach Hause.
Diese Methode funktioniert auch im Homeoffice hervorragend. Man kann unkompliziert per E-Mail Kontakt aufnehmen und ein informelles Gespräch vorschlagen. Selbst außerhalb des Arbeitsplatzes – LinkedIn, soziale Medien oder die Kontaktseite einer Website können als Networking-Strategien dienen, insbesondere für Introvertierte. Die Angst vor einer persönlichen Ablehnung durch einen Fremden entfällt; und im schlimmsten Fall bleibt die Nachricht unbeantwortet.
Der Druck, Netzwerke zu knüpfen, liegt nicht immer bei uns – manchmal ergibt sich die Gelegenheit von selbst. Vor Kurzem wurde ich eingeladen, an einem wöchentlichen Meeting eines anderen Teams teilzunehmen, und habe die Einladung gerne angenommen. Als ich dann dabei war, verflog meine anfängliche Nervosität sofort angesichts der freundlichen und einladenden Gesichter. Wir stellten uns und unsere Aufgaben nacheinander vor, und anschließend berichtete jedes Teammitglied über seine Arbeit. Das Gespräch war interessant, unterhaltsam und völlig ungezwungen. Wir treffen uns nun einmal pro Quartal, um in Kontakt zu bleiben.
Kontinuierliche Übung und der Austausch mit anderen sind für mich als introvertierte Person unerlässlich. Für meine berufliche und persönliche Weiterentwicklung ist es wichtig, Risiken einzugehen und mich verletzlich zu zeigen. Wenn ich mich am liebsten zurückziehen würde, erinnere ich mich daran: Wer nicht fragt, der nicht gewinnt. Selbst wenn ich eine Veranstaltung vorzeitig verlassen oder mir einen Moment Auszeit nehmen muss, ist es wichtig, gesehen zu werden.
Verfasst von Shawn Kramer





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